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20. Februar 2019: Von Influencerinnen und Frauenquoten

„Früher wurden Frauen klischeehaft die Themen Kinder, Küche und Kirche zugeschrieben, heute sind es Kinder, Küche und Kosmetik“, sagte die Buchautorin und Journalistin Heike-Melba Fendel (57) aus Berlin jetzt beim Gespräch mit Svenja Stadler im Jesteburger Café Book.

Fendel, die unter anderem eine feministische Kolumne auf Zeit Online schreibt, kritisierte damit die gängigen weiblichen Rollenmuster, die aktuell „problematisch“ ergänzt würden um die Selbstinszenierung von Influencerinnen im Internet, bei denen es in der Hauptsache um Mode und Körper gehe. Stadler hatte Fendel anlässlich des 100. Jahrestages der ersten Rede einer Frau in einem Deutschen Parlament zu einer offenen Diskussion über Frau und Politik in den Landkreis eingeladen.

Knapp 30 Gäste verfolgten den Austausch und beteiligten sich zum Ende hin mit Fragen und Statements. Unvermeidlich war dabei das Thema Frauenquote. „Wenn man über Gleichstellung spricht, taucht die Quotendiskussion immer auf“, so Stadler. „Ich war nicht immer eine Verfechterin der Quote, weiß aber heute, ohne sie hätten viele große Konzerne noch immer keine einzige Frau im Vorstand.“ Mit Bezug auf das in Brandenburg beschlossene Parité-Gesetz, das mehr Frauen in den Landtag bringen soll, sagte Stadler: „Ich hoffe, dass wir diesem Beispiel auch im Bundestag folgen werden“.

Wie ein roter Faden zog sich die aktuelle Debatte um das Werbungsverbot für Schwangerschaftsabbrüche durch den Abend. Fendel zeigte sich entsetzt über die Studie, die Gesundheitsminister Spahn initiiert habe und welche die Auswirkungen von Schwangerschaftsabbrüchen auf die Psyche betroffener Frauen untersuchen soll. „Wie wäre es, wenn auch mal geschaut würde, welch schlimme persönliche Schicksale ungewollte Schwangerschaften nach sich ziehen können.“ Warum es im Bundestag keine überparteiliche Anstrengung der Frauen gebe, diesen Paragrafen abzuschaffen, fragten sich einige Gäste des Abends in Jesteburg. „Das wäre schön“, sagte Svenja Stadler, „aber hier gehe es nicht selten um religiöse Einstellungen.“

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